Mit Augenmaske auf Beute-Tour

Tausende von Waschbären in der Kellerwaldregion – Verstädterung bringt Ärger

FRANKENBERG

Gegen 22 Uhr am Samstagabend schiebt er den Kopf mit der typischen schwarzen Augenmaske durch die Luke im Dachboden des Mehrfamilienhauses in der Frankenberger Hainstraße. Gähnt erst mal herzhaft, bevor er schaut, ob die Luft rein ist.

Dann klettert er träge von der Luke auf die Dachrinne, wo der ausgewiesene Kletterkünstler bis zum nächsten Baum balanciert, bevor er auf Beutesuche im Dunkeln verschwindet. Wie ein Einbrecher klassischen Kalibers wirkt der Waschbär mit der typisch schwarzen Augenmaske. Und verhält sich oft auch so. Mit Vorliebe nisten sich die ungebetenen Besucher in den Dachböden der Wohnhäuser ein. Zum Leidwesen der Hausbewohner, die die anpassungsfähigen Tiere oft nur schwer wieder loswerden.

In Jesberg im Schwalm-Eder-Kreis zum Beispiel wurden in einem Jahr in einem einzigen Wohnhaus 43 Tiere geschnappt. In Wolfhagen konnte erst die Polizei, die mit zwei Einsatzwagen angerückt war, im Mai einen Waschbären in die Flucht schlagen. Auch in Frankenberg fühlt sich der Allesfresser scheinbar pudelwohl. Unser Exemplar, das wir am Samstagabend vor die Linse bekamen, machte einen wohl genährten Eindruck. Der Allesfresser streunt mit Vorliebe durch Gartenbeete, durchwühlt Mülltonnen, räumt Nester mit Jungvögeln aus.

„Der nimmt alles, was er kriegen kann“,

sagen Experten. Forschungsergebnisse zeigen, dass in menschlichen Wohnsiedlungen die Populationsdichte des Waschbären inzwischen oft zehn Mal so hoch ist wie in Waldgebieten. Unser Exemplar, das sich auch nicht vom Blitzlicht der Kamera aus der Ruhe bringen ließ, scheint das zu bestätigen.

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